Regionalverkehr Bern–Solothurn (RBS)
Tageslicht-Sensoren verbinden das Beste aus zwei Welten

Quelle: Innenansicht der Werkhalle der RBS in Worbboden (Bild: Stefan Gasser)
Tageslicht-Sensoren nutzen das natürliche Tageslicht optimal aus und ergänzen es intelligent mit künstlichem Licht – genau dann und genau so viel, wie es der Raum benötigt. Wird wenig oder kein Kunstlicht benötigt, dimmt das System automatisch – oder schaltet ganz ab. Das spart viel Energie und sorgt für hohen Beleuchtungskomfort.
Im Rahmen des Förderprogramms «Lightbank» wurde die Beleuchtungssanierung der RBS-Werkstatt in Worbboden unterstützt. Das Projekt erzielte eine Energieeinsparung von 71 Prozent – nachgewiesen sowohl rechnerisch als auch messtechnisch.
In der RBS-Werkstatt sorgen die Fachleute des Regionalverkehrs Bern-Solothurn täglich für die Instandhaltung und Betriebssicherheit des Rollmaterials – ein Betrieb, der hohe Anforderungen an Beleuchtung und Arbeitssicherheit stellt. Vor der Modernisierung entfiel knapp die Hälfte des jährlichen Elektrizitätsverbrauchs von rund 245 MWh allein auf die Beleuchtung – ein erhebliches, aber lange ungenutztes Einsparpotenzial.
2024 wurde die über 8'000 m² grosse Werkstatthalle modernisiert: Veraltete Fluoreszenzleuchten wichen modernen LED-Leuchten, ergänzt durch Präsenzmelder mit integrierter Tageslichtsensorik. Das Ergebnis übertraf die Erwartungen: Die Messung des Energieverbrauchs wies eine Einsparung bei der Beleuchtung von 71 Prozent aus – ein Beleg dafür, dass intelligente Lichtsysteme selbst in anspruchsvollen Industrieumgebungen ein hohes Wirkungspotenzial entfalten können.
Neue Beleuchtung mit vernetzten Sensoren
Die ursprüngliche Beleuchtungsanlage bestand aus über 1'500 Lichtleisten mit 36-Watt-Leuchtstofflampen und einer gesamten Anschlussleistung von 74,4 kW. Im Rahmen der Sanierung wurden diese durch 768 hocheffiziente LED-Pendelleuchten des Typs Zumtobel Tecton ersetzt, wodurch die installierte Leistung auf 39,8 kW reduziert werden konnte.

Während die frühere Beleuchtung manuell geschaltet wurde, sorgen heute mehr als 80 Präsenz- und Tageslichtmelder von Theben HTS (Typen: theRonda und thePassa) für eine bedarfsgerechte Regelung und ein konstantes Beleuchtungsniveau. Aufgrund der unterschiedlich hohen Tageslichtverfügbarkeit in den Hallen der RBS wurde die Anlage in 25 Schaltsektoren unterteilt. Diese sind über ein DALI- und KNX-Bussystem miteinander vernetzt und können unabhängig voneinander geregelt werden. Die Nachlaufzeit der Präsenzmelder wurde auf zwei Minuten eingestellt.
Abbildung 2: Lichtsensoren zur Erfassung von Anwesenheit und Tageslicht (Typ Theben-HTS, TheRonda)
Auswertung der Messungen
Die Auswertung der Messungen in den Hallen ergab eine jährliche Energieeinsparung bei der Beleuchtung von 71 Prozent. Die nachfolgende Abbildung zeigt die wichtigsten Erkenntnisse der Messungen:
- Hellblaue Fläche: Tagesgang der alten Beleuchtung mit Leuchtstofflampen, ohne Lichtregelung. Gemäss Betreiberangaben beträgt die Betriebszeit werktags 6–18 Uhr bei manueller Ein- und Ausschaltung. Der Energieverbrauch wurde nicht direkt gemessen, lässt sich jedoch aus der bekannten installierten Leistung und den Betriebsstunden mit guter Genauigkeit rekonstruieren.
- Schwarz gepunktete Linie: Neue Beleuchtung mit denselben Betriebszeiten und manueller Schaltung wie bisher. Der Energieverbrauch sinkt werktags um 47 %.
- Blaue Kurve: Mittlerer Lastgang über 25 Werktage vom 3. November bis 19. Dezember 2025. Der Effekt der Lichtregelung ist klar erkennbar: Gegenüber der alten Beleuchtung werden 58 % eingespart.
- Grüne Kurve: Mittlerer Lastgang über 25 Werktage vom 13. April bis 11. Mai 2026. Der Effekt der Lichtregelung fällt noch deutlicher aus als im Winter: Die Einsparung gegenüber der alten Beleuchtung beträgt 74 %.
Betrachtet man den Frühling als repräsentativ für das Gesamtjahr – mit höherem Verbrauch im Winter und geringerem im Sommer – ergibt sich eine Gesamteinsparung von 71 % gegenüber der alten Beleuchtung.

Abbildung 3: Typische Tagesgänge der Leistung der alten und der neuen Beleuchtung, im Winter und im Frühling
Energiebilanz nach SIA Norm 387/4
Mithilfe der Energiebilanz gemäss der Norm SIA 387/4 (Elektrische Energie in Gebäuden für Beleuchtung) des Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein (SIA) können effektive Projektwerte mit normativen Referenzwerten verglichen und energetisch bewertet werden.
Der SIA-Grenzwert definiert die minimale gesetzliche Anforderung und entspricht einer guten Anlage ohne Lichtregelung. Der SIA-Zielwert beschreibt einen Bestwert mit Lichtregelung, optimalem Sonnenschutz und korrekt eingestellter Sensorik.
Die Energieeinsparung zwischen alter und neuer Beleuchtung beträgt 158,2 MWh bzw. 71 %. Sie verteilt sich nahezu hälftig auf die reduzierte Anschlussleistung (78,9 MWh/a) und die Lichtregelung (78,3 MWh/a).

Abbildung 4: Vergleich Energieverbrauch der alten und der neuen Beleuchtung mit SIA Grenz- und Zielwert, Minergie und Förderprogramm Prokilowatt
Projekt-Beteiligte:
Bauherrschaft
Regionalverkehr Bern- Solothurn AG
Thomas Luginbühl, Projektleiter elektrische Anlagen
Messungen und Auswertung
Stefan Gasser, elight GmbH, Zürich
Planung, Inbetriebnahme und Optimierung
Andreas Stuber, Lichtweise GmbH, Bern
Olivier Waeber, Planwärk AG, Bern